Noch steht der Entscheid der Hallbergmooser CSU aus, aber deren Ortsverbandschefin, Tanja Knieler, will für das zum Ende des Jahres vakante Bürgermeisteramt kandidieren. Im Gespräch mit dem Mooskurier, spricht die 44-Jährige über ihre Motivation und Beweggründe.
Gut überlegt
„Bis der Entschluss gereift ist, war es ein langer Prozess, weil ich ja bereits für die Politik arbeite. Das ist zwar eine andere Ebene, dennoch kann ich gut einschätzen, was im Fall der Fälle auf mich und meine Familie zukommen würde“, erklärt Knieler: „Ich weiß, dass diese Ämter nicht nur Würde, sondern eben auch eine Bürde mit sich bringen, deshalb habe ich so lange, für manche fast zu lange, überlegt.“ Sie sei ein sehr harmoniefokussierter und konsensorientierter Mensch, die sich nicht scheue Verantwortung zu übernehmen, wie beispielsweise im Ortsvorsitz der CSU, arbeite aber auch gerne in nicht so prominenter Reihe wie im Elternbeirat oder im Gottesdienstteam. „Hallbergmoos ist für mich Heimat. Die politische Arbeit und mich hier einzubringen, sind wichtig für mich, ich möchte Entscheidungen mittreffen.“ Obwohl sie als mögliche Bürgermeister-Kandidatin auf die starke Unterstützung hoffen kann, sei eine Kandidatur „absolut kein Selbstläufer“, betont Knieler: „Mit Sicherheit nicht. Das darf man nicht glauben, wenn man so etwas anstrebt. Es ist eine Herausforderung, die einen persönlich an die Grenzen bringen wird, das ist mir sehr bewusst. Allerdings ist es auch eine Herausforderung, an der man wachsen kann und sollte. Das will ich annehmen.“
Gutes Teamplay
2009 zieht Tanja Knieler nach Hallbergmoos, fühlt sich heute mit ihrer Familie nicht nur angekommen, sondern auch aufgenommen. Zunächst arbeitet sie als Beamtin im Gesundheitsministerium, bevor sie vor rund sieben Jahren die Leitung des Referats für Gesundheitspflege und Prävention der CSU-Landtagsfraktion übernimmt. „Ich war aber nie die klassische Beamtin. Ursprünglich komme ich aus dem Journalismus auf lokaler Ebene für die Passauer Presse und die Schwäbischen Zeitung“, erzählt die Mutter eines Grundschulkindes. „In diesem Zusammenhang entschloss ich mich irgendwann nicht nur über die Dinge schreiben zu wollen, sondern aktiv mitzugestalten. Das war für mich ein entscheidender Punkt zur CSU zu gehen.“ Seit inzwischen sieben Jahren führt Knieler als erste Frau den Ortsvorsitz der Hallbergmooser CSU. Jetzt möchte sie gerne auf dem Rathauschefsessel Platz nehmen und wäre damit die erste Frau in dieser Position in der Ortshistorie.
Ob Hallbergmoos so viel Weiblichkeit in der Führung verträgt, ist für Tanja Knieler keine Frage, die sich stellt: „Ich denke schlicht und ergreifend „ja“, Hallbergmoos kann das.“ Das habe mit der Arbeit der vergangenen Jahre zu tun: „Frauen ziehen Frauen nach“, stellt Knieler fest und verweist auf Gabriele Partsch, der Vorsitzenden der Frauen-Union. Seit Jahren plädiere diese unermüdlich dafür mehr Frauen in den Gemeinderat zu bringen. „Wenn wir mehr Frauen in politischen Ämtern sehen wollen, müssen wir an der Basis schauen, also so wie wir in Hallbergmoos. Nur wenn von unten Frauen nachkommen, können auf höheren Ebenen Ämter von Frauen übernommen werden. Das ist mir wichtig.“ Zum „Geheimnis des Erfolges“ gehöre aber auch die „extrem große Rückendeckung und Unterstützung“ und das Vertrauen von männlichen Kollegen. „Wir haken uns unter und arbeiten miteinander.“
„Wenn wir mehr Frauen in politischen Ämtern sehen wollen, müssen wir an der Basis schauen, also so wie wir in Hallbergmoos. Nur wenn von unten Frauen nachkommen, können auf höheren Ebenen Ämter von Frauen übernommen werden. Das ist mir wichtig.“
Tanja Knieler, Vorsitzende des CSU-Ortsverbands, strebt Bürgermeister Kandidatur an.
Altbewährt mit neuen Ideen
Inhaltlich komme die Kommunalpolitikerin bei einer Amtsübernahme „nicht auf die Idee alles umkehren zu wollen“: „Josef Niedermair hat hervorragende Arbeit geleistet, die es gilt wertzuschätzen. Ich finde, dass er uns in einer wirklich schwierigen Situation sehr geholfen hat. Es geht also darum, egal, wer Bürgermeister wird, diese Arbeit fortzusetzen“, betont Knieler. Das gelte vor allem für die Wirtschaftsförderung und weiteren Firmenansiedlungen: „Da passiert einfach sehr viel Gutes, was man fortsetzen muss“. Dazu gesellen sich Pflichtaufgaben, „die wir vor der Brust haben“, so Knieler: „Die wollen auch umgesetzt werden wollen. Es gibt keine Priorisierung, die stehen auf der Liste und müssen ganz pragmatisch abgearbeitet werden. Da müssten wir genau schauen, wie viele Spielräume noch da sind.“ Dazu müsse ein neuer Bürgermeister auch eigene Prioritäten setzen, vertieft Knieler und beschreibt die Themen, die auf ihrer persönlichen „To-do-Liste“ stehen: „Ich würde einiges mitbringen, was ich aus meiner jetzigen beruflichen Tätigkeit kenne, also Kenntnisse aus dem Pflege- und Gesundheitsversorgung oder betriebliche Gesundheit und der Umweltbildung.“
Blick in die Zukunft
Sollte es Tanja Knieler gelingen, ins Rathaus einzuziehen, möchte sie gerne nach einer Amtsperiode auf ein florierendes Gewerbegebiet zurückblicken: „Dazu zählen weitere Firmenansiedlungen und mit Sicherheit die Welle. Ich bin gespannt und freue mich darauf die Entwicklung zu beobachten. Wenn wir wirtschaftlichen Erfolg haben, können wir uns alles andere leisten. Ich würde gerne die Versorgung der Leute gesichert wissen, dazu gehören der Bereich der Bildung und die Kinderbetreuung“, zählt Knieler ihre Schwerpunkte auf: „Insgesamt möchte ich den Weg „immer höher und weiter“, den wir inzwischen seit beinahe Jahrzehnten in Hallbergmoos gehen, in eine Zukunft fortführen, die positiv ist und da bin ich sehr zuversichtlich gestimmt.“
Für Sie berichtete Manuela Praxl.